WDR 4 ändert Abendprogramm ab 2. Juni 2025: Gemeinsames ARD-Format mit MDR

WDR 4 ändert Abendprogramm ab 2. Juni 2025: Gemeinsames ARD-Format mit MDR
WDR 4 ändert Abendprogramm ab 2. Juni 2025: Gemeinsames ARD-Format mit MDR

Ab Montag, den 2. Juni 2025, hört man ab 21:00 Uhr in Nordrhein-Westfalen nicht mehr das bekannte WDR 4-Abendprogramm – stattdessen läuft ein gemeinsames ARD-Format, das vom Mitteldeutscher Rundfunk produziert wird. Die Änderung ist kein kleiner Schnitt, sondern ein strategischer Einschnitt in die Hörfunklandschaft der ARD: Die Landesprogramme bündeln ihre Kräfte, um Ressourcen zu sparen – und gleichzeitig die Morgen- und Tagesprogramme zu stärken. Wer bislang jeden Abend mit Musik, Talk und regionalen Nachrichten von WDR 4 eingeschlafen ist, muss sich umstellen. Aber es gibt einen Grund dafür – und der ist tief verwurzelt in der ARD-Reform, die bereits im Juni 2024 beschlossen wurde.

Was ändert sich konkret bei WDR 4?

Montags bis donnerstags sendet WDR 4 bis 21:00 Uhr sein eigenes Programm – danach schaltet der Sender auf den gemeinsamen ARD Abend - Radio für alle um, der von 20:00 bis 23:00 Uhr läuft. Die Sendung wird wöchentlich zwischen den MDR-Standorten in Dresden, Halle und Erfurt wechseln, was für eine gewisse regionale Frische sorgt. Freitags bleibt alles beim Alten: Von 18:00 bis 22:00 Uhr läuft weiterhin "WDR 4 ab in die 80er", erst danach folgt der ARD-Abend. Samstags und sonntags dagegen entfällt die Kooperation komplett – stattdessen bleibt der beliebte "WDR 4 Der Samstagabend mit Dominik Freiberger" von 20:00 bis 24:00 Uhr erhalten. Nach Mitternacht geht es dann nahtlos in die ARD-Hitnacht über, die bereits jetzt vom MDR kommt.

Was viele nicht wissen: Der WDR-Rundfunkrat hat diese Änderung bereits im April 2025 gebilligt – ein Schritt, der auch WDR 3 und WDR 5 betrifft. Der Gedanke ist simpel, aber clever: In den Abendstunden, wo die Zuhörerzahlen sinken, lohnt es sich nicht mehr, jede Redaktion ihr eigenes Programm zu produzieren. Die Einsparungen sollen direkt in die reichweitenstarken Zeiten fließen – also morgens, mittags und in der Mittagspause, wo die meisten Menschen Radio hören.

Warum das Ganze? Die ARD-Reform im Hintergrund

Die ARD hat sich vor einem Jahr dazu verpflichtet, ihre Hörfunkangebote zu verdichten – nicht zu verkleinern, sondern zu stärken. Das bedeutet: Weniger, aber bessere Sendungen. Spartenkanäle wie WDR 4 mit eigenem Abendprogramm wurden in der Bilanz als ineffizient eingestuft. Die Idee: Wenn alle Sender gemeinsam ein abendliches Format produzieren, spart das Personal, Studiozeit und technische Ressourcen. Und diese Ressourcen werden nicht einfach eingestrichen – sie werden umgeschichtet.

Ein Beispiel: Das Talkformat mit Jörg Thadeusz, das bislang abends lief, wird jetzt auf Sonntagmittag verlegt. Die Prognose: Dort erreicht es mehr als doppelt so viele Hörer. Ein weiterer Gewinn: Ein neuer Podcast von WDR 2 und WDR 4, der sich ausschließlich mit aktuellen Musikthemen beschäftigt – ein Angebot, das digital, flexibel und über alle Altersgruppen hinweg anspricht. Das ist kein Rückzug, sondern ein Neuanfang – mit Fokus auf das, was zählt: Qualität, Reichweite und digitale Zukunft.

Wer macht mit? Wer bleibt draußen?

Die Kooperation ist nicht flächendeckend. Neben WDR 4 beteiligen sich die NDR-Landesprogramme (NDR 1 Niedersachsen, NDR 1 Radio MV, NDR 1 Welle Nord), Antenne Brandenburg vom Rundfunk Berlin-Brandenburg und die MDR-Landesprogramme. Auch SWR1 Baden-Württemberg und SWR1 Rheinland-Pfalz haben ihre eigene, parallel laufende Kooperation gestartet – mit täglich wechselndem Musikstil. Aber nicht alle folgen mit. Sender wie NDR 90,3, Bayern 1 und RBB 88.8 behalten ihr eigenes Abendprogramm – oft, weil sie eine stärkere regionale Identität haben oder eine andere Zielgruppe ansprechen. Das zeigt: Die ARD-Reform ist kein Zwang, sondern ein Angebot – und jeder Sender entscheidet selbst, ob er mitmacht.

Was bleibt? Was verschwindet?

Die Nachrichten von WDR Aktuell bleiben erhalten – und auch die regionalen Wetter- und Verkehrsmeldungen werden weiter ausgestrahlt. Wichtig: Die Redaktionen behalten die Möglichkeit, jederzeit in die ARD-Übertragung einzuschalten – etwa bei Unwettern, Großveranstaltungen oder politischen Entwicklungen in Nordrhein-Westfalen. Das ist kein Nachteil, sondern ein Vorteil: Die Regionalität bleibt – nur anders organisiert. Es geht nicht darum, den Lokalbezug zu streichen, sondern ihn strategischer zu platzieren.

Die Kritik, die es gibt, ist verständlich. Viele Hörerinnen und Hörer fühlen sich mit ihren Abendprogrammen verbunden – mit den Stimmen, der Musik, der Atmosphäre. Aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Die Abend-Quoten sind seit Jahren rückläufig, während die Morgen- und Tagesrundschau weiterhin hohe Reichweiten erzielen. Die ARD reagiert nicht aus Sparzwang, sondern aus Verantwortung – für die Zukunft des Hörfunks.

Was kommt als Nächstes?

Ab Januar 2026 könnte die nächste Runde folgen: Der WDR prüft derzeit, ob auch WDR 3 seine Nachmittagssendungen stärker mit anderen ARD-Sendern koordiniert. Parallel dazu wird an einem neuen digitalen Angebot gearbeitet – einer App, die regionale Musikgeschichten aus ganz Deutschland bündelt. Die ARD will nicht nur Radio senden, sondern eine Plattform für lokale Kultur werden. Das ist der eigentliche Clou: Die Kooperation am Abend ist nicht das Ende, sondern der Anfang eines neuen, vernetzten Hörfunks.

Frequently Asked Questions

Warum hört man ab 21 Uhr bei WDR 4 plötzlich ein anderes Programm?

Weil der WDR im Rahmen der ARD-Reform Abendprogramme mit anderen Landesradios bündelt, um Kosten zu sparen. Ab 21 Uhr läuft das gemeinsame Format "Der ARD Abend - Radio für alle" vom MDR, das wöchentlich zwischen Dresden, Halle und Erfurt produziert wird. So können die Redaktionen ihre Kräfte auf die morgendlichen und täglichen Sendungen konzentrieren, wo die meisten Hörer sind.

Bleibt die Regionalität bei WDR 4 erhalten?

Ja. WDR Aktuell bleibt erhalten, und regionale Wetter- und Verkehrsmeldungen werden weiter gesendet. Außerdem kann die Redaktion jederzeit in die ARD-Übertragung einschalten – etwa bei Unfällen, Großveranstaltungen oder Krisen in Nordrhein-Westfalen. Die Regionalität wird nicht abgeschafft, sondern gezielter eingesetzt.

Warum sendet WDR 4 samstags und sonntags trotzdem sein eigenes Programm?

Weil die Abendprogramme am Wochenende besonders starke Hörerbindung haben – etwa mit "Der Samstagabend mit Dominik Freiberger". Diese Formate haben eine treue Fangemeinde und hohe Reichweite. Die ARD erkennt an, dass nicht alle Abendformate gleich sind – und lässt Sender, die starke Eigenprogramme haben, davon aus.

Was passiert mit den eingesparten Ressourcen?

Die gesparten Mittel fließen in die Stärkung der morgendlichen und täglichen Sendungen sowie in neue digitale Angebote. Ein Beispiel: Ein gemeinsamer Podcast von WDR 2 und WDR 4 zu aktuellen Musikthemen entsteht. Auch die Verlegung von Jörg Thadeusz’ Talk auf Sonntagmittag soll die Zuhörerzahl verdoppeln – das ist der echte Gewinn der Reform.

Warum machen nicht alle ARD-Sender mit?

Weil einige Sender wie Bayern 1 oder RBB 88.8 eine besonders starke regionale Identität haben oder andere Zielgruppen ansprechen. Die ARD-Reform ist kein Zwang, sondern ein Angebot. Wer ein eigenes, erfolgreiches Abendprogramm hat, darf es behalten – solange es wirtschaftlich sinnvoll ist.

Wird das Abendprogramm künftig noch regional unterschiedlich sein?

Teilweise. Das Hauptformat ist bundesweit identisch, aber die übernehmenden Sender können zur vollen Stunde eigene Nachrichten einblenden. Außerdem gibt es regionale Wetter- und Verkehrsmeldungen. In Zukunft könnte es auch lokale Musikbeiträge geben – die ARD experimentiert mit digitalen Ergänzungen, um Regionalität wiederzubeleben, ohne die Effizienz zu verlieren.

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